KI in der Zahntechnik – Teil 3 meiner Artikelserie für die Zeitschrift ZWL (OEMUS AG) richtet den Blick auf eine oft übersehene Dimension: Wie verändert intensive KI-Nutzung unser Denken? Und welche Folgen hat das für die Arbeit im Dentallabor, also in der Zahntechnik, in der die Nutzung digitaler Prozesse, Materialkompetenz und ästhetisches Urteilsvermögen Hand in Hand gehen?
👉 Die vollständige Version des Artikels könnt Ihr am Ende der Seite als PDF herunterladen. Hier teile ich einige Kerngedanken.
Es war ein normaler Arbeitstag, als mir bewusst wurde, wie sehr sich mein Arbeiten verändert hat. Statt eine komplexe Frage selbst zu durchdenken, tippte ich sie fast reflexartig in Gemini. Die Antwort kam in Sekunden – umfassend und sogar perfekt formatiert. Mission erfüllt, Aufgabe erledigt. Aber da war noch etwas anderes: das leise Gefühl, dass ich gerade eine Gelegenheit verpasst hatte; die Gelegenheit zum Denken.
Das stille Minus auf unserem Denkkonto
Manchmal sind es die unbequemen Fragen, die uns weiterbringen. Eine aktuelle MIT-Studie stellt genauso eine Frage: Wie verändert die intensive Nutzung von Künstlicher Intelligenz unser Denken? Während KI uns effizienter macht – auch in der Zahntechnik –, zeigt sich gleichzeitig ein riskanter Nebeneffekt: Je mehr wir sie nutzen, desto eher laufen wir Gefahr, unsere eigenen geistigen Muskeln zu vernachlässigen. Die Forschenden sprechen von „Cognitive Debt“ – kognitiven Schulden. Für die Zahntechnik bedeutet das: Effizienz ist wichtig, doch entscheidend ist demnach die „Intelligenz der Hände“ – das Zusammenspiel von Materialgefühl, biomechanischem Verständnis und geschultem Denken.
Skills first, then tools
Die Studie macht deutlich: KI ist nicht das Problem – sie erfüllt ihre Aufgabe, Prozesse zu erleichtern. Entscheidend ist der Umgang damit. Das Prinzip lautet: erst Fähigkeiten entwickeln, dann erkzeuge einsetzen. Wer Denk- und Handwerkskompetenz pflegt, kann KI gezielt als Verstärker nutzen. Das gilt auch bei der Nutzung von KI in der Zahntechnik. Die Zukunft Im Dentallabor ist digital. Doch ob Zahntechniker zu reinen „KI-Bedienern“ werden oder die Technologie als kreatives Werkzeug nutzen, liegt in unserer Hand. Die Balance zwischen Intelligenz der Hände und künstlicher Intelligenz entscheidet über die Qualität und Einzigartigkeit zahntechnischer Arbeit.
Und die Zeit? Immer schneller!
KI ist nicht nur ein Werkzeug, das Aufgaben schneller erledigt. Sie prägt zunehmend die Art, wie wir denken. Algorithmen arbeiten in Mustern – und genau diese Musterlogik kann aber „abfärben“. In der Zahntechnik würde das besonders sichtbar werden: Digitale Systeme schlagen Lösungen vor, die auf statistisch bewährten Parametern beruhen. Das schafft Sicherheit. Zugleich entsteht eine unsichtbare Normierung. Wer sich daran gewöhnt, denkt bald selbst in den vorgegebenen Bahnen. Die Gefahr: Individuelle Vielfalt und kreative Abweichung geraten ins Hintertreffen. Ästhetisch-Funktionelle Entscheidungen, die früher stark von persönlicher Erfahrung, Intuition und dem Gespür für Patienten geprägt waren, drohen standardisiert zu werden. Doch genau diese Vielfalt ist es, die Zahntechnik ausmacht. Ein Lächeln ist nie „Durchschnitt“, sondern immer individuell. Die größte Freiheit bleibt, nicht in Mustern zu denken.
Dieser Beitrag kratzt nur an der Oberfläche. Die gesamte Artikelserie „Beyond Zahntechnik – reloaded: Die KI-Edition“ erscheint in der ZWL Zahntechnik Wirtschaft Labor 2/2025 (OEMUS MEDIA AG) mit allen Details und Hintergründen. Teil 1: Wie viel KI verträgt die Zahntechnik?“ | Teil 2 „KI in der Zahntechnik: Wo stehen wir?“ und nun Teil 3 „KI in der Zahntechnik: Was passiert mit unserem Denken?“ könnt Ihr hier als PDF herunterladen.
Im nächsten Teil der ZWL-Serie „Beyond Zahntechnik – reloaded: Die KI-Edition“ geht es dann um das spannende Thema: Generatives Design – wenn Algorithmen Zahnersatz entwerfen. Aber was genau ist Gen AI?