Zahntechnik, Unternehmen und die Suche nach dem „perfekten“ Zahn. Ein Gespräch über Veränderungen, Werte und Herausforderungen.

Mit Julia Reichel-Kann und Kurt Reichel (DTC Moselschleife) sprach ich über ihre Art der Zahntechnik, ihre Laborstruktur und den Generationenwechsel (erschienen in Quintessenz Zahntechnik 07/2021). Lesen Sie hier Auszüge aus dem ersten Teil des Interviews oder laden Sie sich das PDF herunter.

Das Interview wurde von mir im Auftrag des Unternehmens Kuraray Noritake erarbeitet.

Seit mehr als 40 Jahren ist ZTM Kurt Reichel mit seiner zahntechnischen Philosophie erfolgreich. Vor einigen Jahren hat er die Leitung seines Unternehmens an die nächste Generation übergeben. Zusammen mit seiner Frau Petra Reichel – Tochter Julia Reichel-Kann ist ebenfalls mit eingestiegen – hat er das Dental Training Center „Moselschleife DTC“ in Leiwen gegründet. Sein seit Jahrzehnten erfolgreiches Labor „Reichel Zahntechnik“ in Hermeskeil wird von ZTM Sonja Ganz geführt. In beiden Laboren wird zusammen mit ungefähr 30 Mitarbeitern eine patientenorientierte Zahntechnik gelebt.

Debütantin und alter Hase – Julia, mit welchen Gefühlen bist Du in die großen Fußstapfen Deines Vaters getreten?

Julia Reichel-Kann: Die großen Fuß-Stapfen habe ich als Kind nicht wahrgenommen. Erst als ich selbst Zahntechnikerin wurde, merkte ich, dass Zahntechnik für meinen Vater mehr ist als ein Job. Seine Leidenschaft, die Empathie zum Patienten und sein ständiges Streben nach dem Optimum haben mich inspiriert und motiviert. Heute ist seine beratende Funktion wichtiger Bestandteil meines Arbeitslebens. Unter anderem seine Fähigkeit, auf dynamische Zeiten – zum Beispiel die Corona-Krise – besonnen und vorausschau- end zu reagieren, schätze ich sehr.

Kurt, fiel es Dir schwer, das Zepter an die nächste Generation zu übergeben?

Kurt Reichel: Dass ich das Labor in guten Händen weiß, hat es mir leichter gemacht. Ich bin dankbar, dass die Mitarbeiter und Kunden von Reichel Zahntechnik durch ZTM Sonja Ganz eine verlässliche, sichere Zukunft haben. Außerdem empfinde ich es als großen Vorzug, gemeinsam mit meiner Tochter an der Moselschleife einen Geschäftszweig der Reichel-Zahntechnik zu betreiben. Hier realisieren wir exklusive Einzelaufträge, mit den Vorteilen eines großen Labors im Hintergrund. Wir empfinden es als Privileg, das abseits des oft hektischen Laboralltags tun zu dürfen.

Sympathisches Team: Dental Training Center „Moselschleife DTC“ in Leiwen

ZTM Kurt Reichel, ZTM Julia Reichel-Kann und Petra Reichel (Foto: Esther Jansen)

Julia, wie hat sich der Beruf Zahntechnik aus Deiner Sicht verändert?

Julia Reichel-Kann: Bei der Frage fällt mir das Gesicht meines Vaters ein, als er hörte, dass ich meine Meisterarbeit kleben werde, anstatt zu löten. „Was seid ihr für Meister?“, war sein fast verzweifelter Ausruf. Schlicht und ergreifend … ich habe das Löten nie gelernt. […] Eine prägende Begegnung war das Zusammentreffen mit dem Freund und Wegbegleiter meines Vaters, ZTM Dieter Schulz, der leider schon verstorben ist. Ich bin froh und stolz, einen so gelehrten sowie begeisternden Menschen kennengelernt zu haben. Egal, wie digital Zahntechnik werden wird, wir als Zahntechniker müssen wissen, wie ein Zahn aussieht und welche Aufgabe er im Zusammenspiel mit dem Kiefergelenk hat.

Zahntechnik

Ich bin fasziniert von der Vielfalt unseres Handwerkes und dem Wissen der „alten Hasen“ unserer Branche. Egal, wie digital Zahntechnik werden wird, wir müssen wissen, wie ein Zahn aussieht und welche Aufgabe er im Zusammenspiel mit dem Kiefergelenk hat. (Foto: Esther Jansen)

Kurt Reichel

Ich bin seit 50 Jahren Zahntechniker und habe nach wie vor viel Spaß an meinem Beruf. Und die Suche nach dem perfekten Zahn habe ich nicht aufgegeben. (Foto: Esther Jansen)

Kurt, ist es heutzutage schwieriger, ein Dentallabor zu führen als vor 20 oder 30 Jahren? 

Kurt Reichel: Jede Zeit hat ihre eigenen Ansprüche. Heute sind es Prozessentwicklungen, Anpassungen an komplexe digitale Abläufe und das Verständnis für neue Verfahrenstechniken. […] Wir müssen uns bewusst machen, wie rasant sich die Zahntechnik in kurzer Zeit verändert hat. […] Die neue Generation der Zahntechniker ist geprägt von Teamwork und Vernetzung. Das erachte ich als enorm wichtig. Meine Generation hat ihre Kunden überwiegend „bewacht“ und Mitbewerber als potenziellen Feind gesehen. Das hat sich verändert. Die Zahntechnik ist zu einer Gemeinschaft gewachsen.

Julia, glaubst Du, dass sich auch die beruflichen Werte junger Zahntechniker verändert haben?

Julia Reichel-Kann: Ja, auf jeden Fall. Das Internet suggeriert uns eine Wirklichkeit, in der Perfektion und Null-Fehler-Toleranz herrschen. Der Alltag sieht anders aus. Es gibt viele motivierte und hervorragende Zahntechniker, von deren Können kaum jemand weiß. Entweder sie haben nicht das Know-how oder Equipment, ihre Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren oder sie wollen es nicht. […]

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