Intraorale Befestigung: Für die Zeitschrift teamwork (Ausgabe 4/2020, Verlag: teamwork media GmbH)  haben wir als Autorenteam einen spannenden Übersichtsartikel zum Thema „Befestigung“ erstellt. Hier lesen Sie Auszüge aus dem Artikel und können den kompletten Artikel herunterladen.

Im Artikel haben wir uns grundlegenden Fragen aus dem klinischen Alltag gestellt und beantworten diese mit werkstoffkundlichen Fakten.

Gegliedert in vier Bereiche werden Fragen aus dem Praxis- und Laborbereich beantwortet.

  • Befestigung  – allgemeiner Überblick
  • Befestigung von keramischen Restaurationen
  • Befestigung von polymerbasierten Restaurationen
  • Befestigung in der Kieferorthopädie

Alles rund um das Thema Befestigungsmaterialien gibt es auch im Werkstoffkunde-Kompendium zu erfahren.

Welche Befestigungsmaterialien können im Allgemeinen unterschieden werden?

  • Traditionelle Zemente (Zinkphosphatzemente, Carboxylatzemente, Silikatzemente, Glasionomerzemente)
  • Kunststoffmodifizierte Glasionomerzemente und Kompomere
  • Adhäsive Befestigungsmaterialien
  • Konventionelle Befestigungskomposite auf Monomerbasis (zum Beispiel auf Bis-GMA-, TEGDMA- oder auf UDMA-Basis)
  • Selbstadhäsive Befestigungsmaterialien mit multifunktionellen Phosphormethacrylaten, zum Beispiel Phosphorsäureester, Carbonsäure oder Aminosäurederivate.

Was ist der grundlegende Unterschied zwischen dem Zementieren und dem adhäsiven Befestigen?

Zementieren: formschlüssiger Verbund

Beim Zementieren werden Restauration und Zahnhartsubstanz durch das Abbinden eines Zements mechanisch/formschlüssig miteinander verbunden. Grundsätzlich wird ein sogenannter Formschluss durch das Ineinandergreifen zweier Objekte oder durch das Einbringen eines Verbindungselements erreicht. Bei der Zementierung dentaler Restaurationen erfolgt der Formschluss über eine Art „Verkeilung“, weshalb eine retentive Präparation notwendig ist. Dabei spielen die Rauheit der Restaurationsoberfläche, die Passung sowie der Konvergenzwinkel und die Stumpfhöhe des Pfeilers eine entscheidende Rolle.

Merke: Theoretisch können Einzelzahn-Restaurationsmaterialien ab einer Festigkeit von 350 MPa zementiert werden, wobei es jedoch Indikationseinschränkungen und Nachteile gibt.

Adhäsive Befestigung: kraftschlüssiger Verbund

Bei der adhäsiven Befestigung polymerisiert ein Befestigungskomposit und bindet chemisch/ physikalisch an die Restauration und die Zahnhartsubstanz. Der kraftschlüssige Verbund wird durch eine Art Haftreibung erzielt. Bei der adhäsiven Befestigung dentaler Restaurationen spielt die Präparationsgeometrie eine untergeordnete Rolle. Das retentive Ätzmuster entsteht durch die Vorbehandlung der Restaurationsoberfläche.

Merke: Eine adhäsive Befestigung kann die Gesamtstabilität der prothetischen Versorgung steigern und ist bei Restaurationsmaterialien mit geringen Festigkeiten (< 350 MPa, zum Beispiel Leuzitkeramik) zwingend notwendig. Grundsätzlich können auch keramische Restaurationen mit höherer Festigkeit wie Zirkonoxid adhäsiv befestigt werden.

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Sowohl Zahnarzt als auch Zahntechniker können sich anhand des Buches mit einem wissenschaftlich fundierten Vorgehen auseinandersetzen. Aufgezeigt werden u. a. Befestigungsmaterialien und die Einsatzmöglichkeiten sowie mechanische und chemische Vorbehandlungsschritte von Zahnhartsubstanz und Restaurationsinnenfläche. Der Leser erfährt alles rund um die Wahl des Befestigungsmaterials und des Restaurationswerkstoffes, über die Präparation der Pfeilerzähne sowie zur Vorbehandlung des Abutments, der Zahnhartsubstanz und des Restaurationswerkstoffes. Desweiteren stehen die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor im Fokus sowie die Vorgehensweise beim Einsetzen der Restauration.

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Nach welchen Kriterien lassen sich keramische Restaurationsmaterialien einteilen und welchen Einfluss haben die werkstoffkundlichen Unterschiede auf die Befestigung?

Dentalkeramiken können nach ihrer Zusammensetzung (Basis) eingeteilt werden in Silikatkeramiken (zum Beispiel Leuzitkeramik, Lithiumsilikatkeramik) und Oxidkeramiken (zum Beispiel Zirkonoxid). Die werkstoffkundlichen Unterschiede der Keramiken bestimmen auch dieWahl des Befestigungskonzepts. Wesentlicher Punkt ist die Biegefestigkeit. Voraussetzung für das Zementieren ist eine Biegefestigkeit von mehr als 350 MPa. Silikatkeramiken auf Feldspatbasis (circa 60 bis 80 MPa) beziehungsweise Leuzitverstärkte (circa 90 bis 120 MPa) haben eine niedrigere Biegefestigkeit und müssen daher zwingend adhäsiv befestigt werden.

Kann eine Restauration aus einer transluzenten Zirkonoxid-Keramik adhäsiv befestigt werden?

Ja, Zirkonoxid-Restaurationen können – und sollten in vielen Fällen – adhäsivbefestigt werden. Dies ist unabhängig von der jeweiligen Zirkonoxid-Generation. Zu beachten ist allerdings die entsprechende Oberflächenmodifikation vor dem Einsetzen. Zirkonoxid weist eine schlechte Benetzbarkeit auf, weshalb die Restaurationsoberfläche modifiziert werden sollte (zum Beispiel durch Silikatisieren, sanftes Korundstrahlen oder eine Plasmavorbehandlung).

Merke: Zirkonoxid-Restaurationen für die adhäsive Befestigung sollten nicht mit Phosphorsäure gereinigt werden. Die für den chemischen Verbund notwendigen O2-Stellen würden sonst vorzeitig mit Phosphorgruppen belegt werden, sodass kein Verbund zwischen Zirkonoxid und Befestigungsmaterial mehr entstehen kann. Es wird empfohlen, Zirkonoxid-Restaurationen im Ultraschall mit Alkohol oder destilliertem Wasser gründlich zu reinigen.

Müssen Hochleistungspolymere immer adhäsiv eingesetzt werden?

PMMA-Kunststoffe sind für permanente Restaurationen kontraindiziert, sollten jedoch bei der Verwendung als Langzeitprovisorium adhäsiv eingesetzt werden. PMMA zeigt einen E-Modul von circa 2 GPa. Bei einer adhäsiven Befestigung wird die Restauration durch das Befes- tigungskomposit zusätzlich stabilisiert. Durch den geringen E-Modul kann eine provisorisch befestigte Restauration eventuell debonden. Für eine dauerhafte Lösung sollten Hochleistungspolymere immer adhäsiv befestigt werden.

Merke: Zirkonoxid-Restaurationen für die adhäsive Befestigung sollten nicht mit Phosphorsäure gereinigt werden. Die für den chemischen Verbund notwendigen O2-Stellen würden sonst vorzeitig mit Phosphorgruppen belegt werden, sodass kein Verbund zwischen Zirkonoxid und Befestigungsmaterial mehr entstehen kann. Es wird empfohlen, Zirkonoxid-Restaurationen im Ultraschall mit Alkohol oder destilliertem Wasser gründlich zu reinigen.

Wie muss eine Zirkonoxid-Oberfläche vorbehandelt werden, um einen Verbund der Brackets zu generieren?

Ein Verbund mit Befestigungsadhäsiven ohne Phosphatgruppen ist nicht möglich. Auch reine Silane (MEMO-Basis) liefern keinen Verbund zur Zirkonoxid-Oberfläche. Hier ist es zwingend notwendig, die genaue Zusammensetzung des verwendeten Adhäsivsystems zu kennen. Alle selbstätzende Adhäsivsysteme oder selbstätzende Befestigungskomposite haften dank der enthaltenen sauren Gruppen gut am Zirkonoxid.

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Befestigungsexperte in der ästhetischen Zahnheilkunde

Je nach Art des keramischen Materials unterscheiden sich die Befestigungsstrategien. Zementieren oder adhäsiv befestigen? Es bedarf werkstoffkundlichen Wissens, um keramische Restaurationen sicher sowie dauerhaft stabil im Mund befestigen zu können. Alle Aspekte rund um die Befestigung keramischer Restaurationen werden Curriculum Befestigung umfassend vermittelt.