In der Zahntechnik gehören CAD/CAM-gefertigte Restaurationen und monolithische Werkstoffe zum Alltag. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Wie lassen sich Effizienz, digitale Prozesse und individuelle Ästhetik verbinden?
Damit beschäftige ich mich im Artikel „Mikrohybrid-Komposite im CAD/CAM-Alltag“ ( ZWL 2/2026). Im Fokus: Moderne Komposite und ihre Bedeutung innerhalb digitaler Workflows. Vielen Dank an die Zahntechnikerinnen und Zahntechniker, die ihre Arbeiten und Einschätzungen beigesteuert haben. Entstanden ist der Artikel durch Unterstützung der Firma SHOFU.
Mikrohybrid-Komposite im digitalen Workflow
Digitale Effizienz hat ihren Preis – und dieser zeigt sich oft in der Ästhetik. Monolithische Zirkonoxid-Restaurationen, gefräste PMMA-Strukturen oder gedruckte Restaurationen sind funktional überzeugend, lassen jedoch nur begrenzten Spielraum für optische Differenzierung. Während die keramische Verblendung als Königsdisziplin gilt, gewinnen lichthärtende Verblendkomposite im digitalen Workflow zunehmend an Bedeutung.
Moderne Mikrohybrid-Komposite bewähren sich insbesondere dort, wo digitale Fertigung auf den Wunsch nach individueller Finalisierung trifft:
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Gerüste aus NEM-Legierungen
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Provisorien aus 3D-Druck-Resinen oder gefrästen PMMA-Blanks
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monolithische Zirkonoxid- oder PMMA-Restaurationen
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herausnehmbarer Zahnersatz mit individuell gestalteter Gingiva
Gerade im Zusammenspiel aus digitaler Präzision und manueller Finalisierung entsteht heute eine neue Form moderner Zahntechnik.
Zahntechnische Umsetzung: ZT Florian Roth
Was sind Mikrohybrid-Komposite?
Werkstofflich betrachtet beschreibt der Begriff „Mikrohybrid“ einen differenzierten Materialaufbau: Unterschiedlich große keramische Füllstoffe sind in eine polymere Matrix eingebettet. Mikrofeine Partikel sorgen für natürliche Lichtstreuung und homogene Oberflächen, größere Füllkörper hingegen für mechanische Stabilität und Belastbarkeit.
Dadurch ergeben sich Eigenschaften, die insbesondere im zahntechnischen Alltag relevant sind:
- formstabile Modellierbarkeit
- gute Polierbarkeit
- natürliche Opaleszenz
- ausgewogene Balance zwischen Elastizität und Festigkeit
- hohe Oberflächenqualität
Vor allem bei CAD/CAM-gefertigten Monolayer-Restaurationen ermöglichen Mikrohybrid-Komposite eine ästhetische Individualisierung ohne zusätzliche keramische Brennprozesse.
Ich arbeite seit über 30 Jahren mit Verblendkompositen von SHOFU. Immer, wenn ich ein neues Material einsetze, prüfe ich zunächst mechanische und optische Eigenschaften – also genau die Aspekte, die für herausnehmbaren Zahnersatz wichtig sind.
ZT Guiliano Moustakis
Zahntechnische Umsetzung: ZT Inga Potoczna
CERAMAGE und CERAMAGE UP im Laboralltag
Im Artikel werden die beiden lichthärtenden Mikrohybrid-Kompositsysteme CERAMAGE und CERAMAGE UP vorgestellt. Beide Systeme verfolgen unterschiedliche Verarbeitungs- und Modellieransätze.
Während CERAMAGE klassisch spatelbar verarbeitet wird und sich besonders für ästhetische Schichttechniken eignet, erlaubt CERAMAGE UP eine direkte Applikation aus dem Dispenser. Die fließfähige Konsistenz unterstützt kontrollierte Arbeitsabläufe und eröffnet neue Möglichkeiten innerhalb digitaler Herstellungsprozesse.
Ein spannender Ansatz ist dabei die formgeführte Injektionstechnik. Hier wird eine zuvor analog oder digital modellierte Zahnform mithilfe transparenter Silikonschlüssel reproduzierbar auf das Gerüst übertragen. Das reduziert Variabilität und verbindet diagnostisches Wax-up mit effizienter Kompositverarbeitung.
Farbcharakterisierung und individuelle Ästhetik
Neben klassischen Schichttechniken eröffnet die Farbcharakterisierung mit Malfarben zusätzliche gestalterische Möglichkeiten. Lichthärtende Pastenmalfarben ermöglichen es, Fissuren, inzisale Zonen oder zervikale Übergänge gezielt hervorzuheben und natürliche Farbverläufe zu erzeugen. Dadurch entsteht ein entscheidender Vorteil moderner Mikrohybrid-Komposite: Digitale Fertigung kann mit individueller zahntechnischer Handschrift kombiniert werden.
Oder anders formuliert: Die Digitalisierung standardisiert Prozesse – die Ästhetik bleibt Handarbeit.
Für mich zählt vor allem die Kombination aus Ästhetik, Verarbeitbarkeit und Langlebigkeit. Mit CERAMAGE, CERAMAGE UP und den LITE ART-Malfarben erreiche ich Ergebnisse, die funktional und optisch höchsten Ansprüchen gerecht werden – und das effizient im Laboralltag.
ZT Florian Roth
Digitale Zahntechnik zwischen Effizienz und Handschrift
Mikrohybrid-Komposite verstehen sich nicht als Konkurrenz zur Keramik, sondern vielmehr als pragmatische Erweiterung moderner Laborworkflows. Gedruckte Provisorien, Kombi-Prothesen oder monolithische Zirkonoxid-Restaurationen lassen sich damit effizient individualisieren und ästhetisch finalisieren.
Die zentrale Erkenntnis des Beitrags: Moderne Werkstoffe eröffnen neue Möglichkeiten – unverzichtbar bleiben jedoch der Blick fürs Detail, das Gespür für Form und Farbe sowie jene handwerkliche Kompetenz, die hochwertigen Zahnersatz letztlich ausmacht.
CERAMAGE UP erleichtert den Workflow und lässt gleichzeitig Raum für Kreativität. Genau das begeistert mich.
ZTM Yekaterina Nazarenus
Stimmen aus dem Laboralltag
Was diesen Artikel besonders macht, sind die unterschiedlichen Perspektiven aus dem Laboralltag. Danke an Florian Roth, Guiliano Moustakis, Yekaterina Nazarenus und Inga Potoczna, die ihre Arbeiten und Erfahrungen eingebracht und den Artikel damit fachlich wie persönlich bereichert haben. Ihre unterschiedlichen Konzepte – von klassischer Schichtung über Cut-Back-Techniken bis hin zu digitalen Injektionsverfahren – zeigen eindrucksvoll, wie vielseitig moderne Mikrohybrid-Komposite heute eingesetzt werden können. Gerade dieser fachliche Austausch macht deutlich, wie wichtig Erfahrung, Materialverständnis und individuelle Handschrift auch im digitalen Zeitalter bleiben.