Kann man Keramik „bedrucken“? Diese Frage trifft den Kern eines aktuellen Forschungsvorhabens. Im Projekt IndiPrint* untersuchen Wissenschaftler, ob sich keramische Restaurationen automatisiert „bedrucken“ lassen; nicht im Sinne von Massenproduktion, sondern als steuerbare Individualisierung, die natürliche Zahnästhetik nachbildet. Es geht um Grundlagenforschung und um die Frage, wie sich zahntechnische Erfahrung in digitale Prozesse übersetzen lässt.
Graffiti für keramische Gerüste? Graffiti für keramische Gerüste? Hinter dem Namen IndiPrint stehen primär drei Forschungseinrichtungen – die LMU München, das ILM Ulm und die TU München. Sie erforschen, wie sich Farbe, Licht und Material beim Einfärben keramischer Restaurationen berechnen, steuern und reproduzieren lassen. Grundlagenforschung im besten Sinne: offen, interdisziplinär und praxisnah begleitet.
Forschung im Dialog
IndiPrint ist keine Produktentwicklung, sondern ein Forschungsvorhaben, das die Prinzipien der automatisierten keramischen Individualisierung untersucht. Wie verändert sich Licht, wenn es durch Keramikschichten gestreut wird? Welche Rolle spielt die Partikelgröße der Malmassen für die Dosierbarkeit? Diese und ähnliche Fragen werden nicht nur hinter verschlossenen Türen diskutiert, sondern im offenen Austausch mit dem projektbegleitenden Ausschuss (PbA) aus Vertretern von Zahnmedizin, Zahntechnik und Industrie. In gemeinsamen Meetings werden regelmäßig Versuchsergebnisse vorgestellt, hinterfragt und mit praktischen Erfahrungen abgeglichen. Wissenschaft wird zum Dialog: Welche Farbunterschiede sind überhaupt relevant? Wie realistisch ist ein Dosiersystem, das hochviskose Pasten verarbeitet? Welche Brennprozesse liefern reproduzierbare Resultate? Dieser Austausch sorgt dafür, dass kein theoretisches Konzept entsteht, sondern anwendbares Wissen.
Drei Expertisen – ein Ziel: IndiPrint
- LMU München: Die Werkstoffkundeforschung an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik analysiert typische Zahnmerkmale, z. B. Farbverläufe, White Spots oder Mamelons und überführt sie in eine digitale Datenbank. Die definierten Parameter bilden die Grundlage für die spätere Simulation. Weiterhin liegt der Fokus der Forschung auf der Entwicklung eines kombinierten Prozesses zum Kristallisieren der geschliffenen Restauration sowie dem Brennen der aufgedruckten Mal- und Glasurmassen in einem Arbeitsschritt.
- ILM Ulm: Das Institut für Lasertechnologien entwickelt eine Monte-Carlo-Simulation, die das Verhalten von Licht in keramischen Materialien physikalisch beschreibt. Ziel ist es, Farb- und Transparenzeffekte so realistisch darzustellen, dass sich der Einfluss von Material, Schichtdicke und Farbanteil virtuell vorhersagen lässt.
- TU München: Der Lehrstuhl für Mikrotechnik und Medizingerätetechnik untersucht die Dosierbarkeit keramischer Pasten – also, wie sich Malfarben mit definierter Tropfengröße und Viskosität präzise auftragen lassen. Dabei geht es um Parameter wie Scherrate, Tropfenfrequenz oder Benetzungseigenschaften.
Fazit
Der besondere Wert von IndiPrint liegt darin, dass das Projekt nicht auf kurzfristige Verwertung zielt, sondern auf Wissenstransfer. Jede Erkenntnis – ob zu optischen Eigenschaften, Brennparametern oder Dosierverhalten – wird diskutiert und dokumentiert. Darauf können künftige Entwicklungen aufbauen, etwa neue Simulationsmodelle oder präzise Dosierverfahren für die Farbgestaltung. IndiPrint zeigt, wie Grundlagenforschung mit Praxisnähe aussehen kann: interdisziplinär, kritisch, kooperativ und mit einem klaren Ziel: die bestmögliche Verbindung von Wissenschaft und Anwendung.
Projektbegleitender Ausschuss, bestehend aus juristischen und natürlichen Personen aus verschieden Branchen, bringt seine Expertise ein und steuert das Projekt im bewilligten Rahmen mit: Annett Kieschnick, Freie Fachjournalistin • Ansys GmbH • ATN Automatisierungstechnik Niemeier GmbH • Dekema Dental-Keramiköfen GmbH • Dentsply/Sirona • Emulation S. Hein • estetic ceram ag • Gigahertz Optik GmbH • Martin GmbH • r2 dei ex maschina GmbH • Renfert GmbH • Sirius Ceramics Carsten Fischer GmbH • Straumann Institut AG • Vita Zahnfabrik